Das Wesen

Das rassetypische Wesen des Alpenhütehundes zu  erhalten ist eine der wichtigsten Aufgaben des ACD e.V.

Aus diesem Grund beinhaltet die Zuchtzulassungsprüfung  auch einen umfangreichen Wesenstest.

Im Standard sind die wichtigsten Wesensmerkmale  aufgelistet.

Der Alpenhütehund hat viele Merkmale, die für einen  klassischen Hütehund typisch sind : er rennt gerne, ist schnell,  wendig und lernt leicht. Trotzdem unterscheidet er sich doch von  anderen Hütehund-Rassen . Im folgenden wird der ideale Alpenhütehund beschrieben :

1. Er liegt vom Hütestil zwischen Border Collie und Altdeutschem  Hütehund. Soll er für die Hütearbeit Verwendung finden, so muß er  erst systematisch und mit Fingerspitzengefühl an die Schafe herangebracht werden. Er  hat keinen deutlichen angeborenen Hütetrieb. Man sagt auch, der  Hütetrieb muß erst geweckt und dann gelenkt werden. Dann jedoch kann  der Alpie schnell sehr stürmisch hüten und muß dann entsprechend  gebremst werden.

Die Fähigkeit zu Hüten wird im ACD e.V. NICHT gefördert ! Wir sehen die Zukunft der Rasse als Familien- und Sporthund.

2. Damit  zusammen hängt auch, dass ein Alpenhütehund einen eher verkümmerten Jagdtrieb hat. Der Standard spricht von einer “geringen Affinität zu Wild”. Dies ist ein sehr wichtiges  Merkmal.

3. Das einzige, woran ein Alpie oft trotzdem Interesse hat, sind Mäuse und alles, was  er dafür hält (Hamster, Eichhörnchen, etc.) Diese durfte er auch auf  der Alm fangen, schliesslich entfernt er sich dafür nicht vom Ort seiner  Arbeit. Und Mäuse waren immer ein gutes Zubrot zur eher kargen  Ernährung. Es gibt auch Alpies, die noch nicht mal mehr Mäuse  fangen.

4. Einen erwachsenen Alpenhütehund  kann man grundsätzlich frei laufen lassen, sofern es vor Ort erlaubt  ist und die Umstände es zulassen. Freilauf ist für die Rasse absolut  wichtig. Da der Alpenhütehund sich jedoch an seinem Menschen orientiert,  neigt er nicht zum Weglaufen. Auch dies ist ein wichtiges  Merkmal.

5. Alpenhütehunde sind schwindelfrei. Sie klettern gerne von sich aus auf Sandhügel und Holzstöße,  etc. Man kann sie u.a. deshalb leicht zum Agility oder auch  Trümmersuchhund ausbilden.

6. Alpenhütehunde sind keine Wasserfreunde. Normalerweise gehen sie  nicht von alleine ins Wasser und umrunden auch Pfützen. Der Standard  weist jedoch auf Ausnahmen hin. Ich selber kenne zwei Alpies, die  beide sehr gerne ins Wasser gehen, aber wie gesagt, das ist wohl  eher selten.

7. Der Alpenhütehund ist sehr sozial. Er darf niemals unangemessen aggressiv  gegenüber anderen Hunden sein. Auch Rüden müssen sich grundsätzlich  mit anderen Rüden vertragen, das gleiche gilt selbstverständlich für  die Hündinnen.  Das macht auch das  Zusammenleben mit uns Menschen sehr angenehm. Dieser Punkt ist  ebenfalls grundwichtig, gibt es hier doch bei vielen Hunden anderer  Rassen klare Defizite, die gerne mit Entschuldigungen (“Er wurde als  Welpe mal gebissen””Er ist ein Deckrüde und mag deshalb keine  anderen Rüden (!)”  entschuldigt werden.

8.  Die Rüden sind nicht sexuell überdreht, d.h. man kann sie auch in  Gegenwart einer läufigen Hündin noch lenken. Sie sind nicht   besonders liebeskrank und jammern rum, etc.. Ich selber kann grundsätzlich  jeden Alpie-Rüden trotz eigener läufigen Hündin in Pflege nehmen.  Hat die Hündin Stehzeit, kriegt der Rüde zur Vorsorge einen Body an,  aber auch dann dreht er mental nicht ab. Erfahrene Rüden  interessieren sich übrigens nur zum Zeitpunkt des Eisprunges für die  Hündin, diese Rüden sind noch ausgeglichener als die  unerfahrenen.

Ein  perfekter Alpenhütehund MUSS verträglich sein. Er MUSS im  Freilauf gehorsam sein. Und er darf NIE jagen !!

Es gibt aber noch mehr Besonderheiten.

9.  Der Alpie ist ein anstrengender Welpe und Junghund. Schon mit zehn  Wochen kann er ohne Leine weite Kreise ziehen und Heranrufen prima  ignorieren. Das ist ein sehr anstrengendes Alter, zumal andere Rassen  in diesem Stadium in der Regel noch gut hören. Der Alpie nicht.

 Von der  Leine gelassen, hört er oft überhaupt nicht mehr und fällt deshalb auch in  gemischten Welpenschulen unangenehm auf. Der Welpe und Junghund bis  etwa fünfzehn Monate hat einen ganz ausgesprochenen Dickschädel. Aber  keine Sorge, das wächst sich tatsächlich aus - man soll es nicht  glauben. . Das kommt vielleicht daher, dass die Welpen und  Junghunde sich frei auf der Alm oder dem Hof entwickeln durften und  die eigentliche Ausbildung zum Hütehund oft erst mit einem Jahr  begann. Ein eigener gereifter Wille war und ist massgebend für einen  guten Hütehund im Gebirge. Dort verteilt sich die Herde sehr weit  und grossflächig, so dass der Alpenhütehund oft alleine seine Kreise um die  Herde zieht und alleine die Schafe aus den entlegensten Ecken holen  muss (selbst wenn die Schafe das nicht wollen).

10. Dieser eigene Wille ist auch heute noch deutlich im Wesen verankert. Der Alpie ist niemals Sklave,  er lässt sich nicht mißbrauchen (z.B. als “Sport- oder  Arbeitsgerät”!), er ist unser Freund und Familienmitglied.

Er taugt  deshalb auch nicht für die Zwingerhaltung, denn er gehört zum  “Rudel” dazu !

 Aus diesem Grunde ist der Alpenhütehund für Schäfer  hierzulande oft nicht geeignet. Der Hund verweigert bei nicht  rassegerechter  Haltung sofort die Mitarbeit. Der Alpie hütet  seine Herde für seinen Menschen und nicht um eigene überstarke  Triebe zu befriedigen. Dies unterscheidet ihn grundlegend von  anderen Hütehunden.

11. Diesen eigenen Willen will der Alpie respektiert haben. Zuviel Härte  verträgt er nicht, auch dann verweigert er konsequent den Gehorsam.  Deshalb ist er für den “klassischen” Schäferhund-Platz nicht  geeignet.  Ein gehorsamer Hund, der trotzdem eine  Persönlichkeit hat - so soll es sein.

12. Der Alpenhütehund ist niemals ein Hochleistungs-Arbeitshund gewesen.  Das wird ihm heute im Gebirge zum Verhängnis, selbst dort ist der  Border Collie mittlerweile etabliert. Gerade deshalb aber taugt der Alpie  sehr gut zum Familienhund. Er braucht seine zwei Stunden Auslauf auf  den Tag verteilt, dann ist er zufrieden. Trotzdem ist er fast nicht  konditionsmäßig müde zu kriegen, wenn man viel mehr mit ihm macht.    Er ist im Haus ausgeglichen und draussen ein Wirbelwind.  Obwohl er durchaus gerne lernt, braucht er das nicht, um glücklich  zu sein .

Er lebt mit seinem ganzen Herzen für seine Menschen  und mit seinen Menschen

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